Meinung

Digitale Transformation des Einkaufs: Ein Hürdenlauf!

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Was wurde und wird nicht alles versprochen im Hype um die digitale Transformation des Einkaufs? Angeblich steht ein disruptiver Aufbruch hin zu völlig neuen End2End-integrierten Operating-Modellen bevor. Es wurde und wird sogar propagiert, dass man in Zukunft das Einkaufen autonomisieren könne, und dass KI und Bots immer mehr die Aufgaben der Einkäufer übernehmen würden. Aber wie sieht die Realität aus? In der Digitalisierung (vulgo Automatisierung) von Standardprozessen kommen die Einkaufsabteilungen voran. Indessen lässt der große Wurf auf sich warten.

Zwei zeitgleich erschienene Studien zeigen, wo es hakt. Jaggaer wirft in der Studie Digital Procurement 2019 die völlig berechtigte Frage auf: Digitale Transformation in der Beschaffung: Wie weit sind wir? Die Studie zeigt, dass es in der Praxis noch hohe technische, finanzielle und organisatorische Hürden auf dem Weg hin zu End2End-integrierten Lösungen gibt. Speziell diese Hürden nimmt die zeitgleich erschienene Studie der deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe e. V. (DSAG) ins Visier. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass der SAP-basierten Digitalisierung in sehr vielen Unternehmen noch die Serienreife fehle, und dass nicht zuletzt der Support durch SAP zu wünschen übrig lasse. Beide Studien bestätigen, dass die digitale Transformation unserer Unternehmen viel länger dauern und möglicherweise auch viel teurer wird als angenommen.

Die DSAG beklagt zu Recht, dass die Integrationsproblematik – der Schlüssel zur digitalen Transformation – noch nicht gelöst sei. Es fehle an einheitlichen Stammdaten und auch an der Skalierbarkeit von Lösungen und Lizenzmodellen. Die SAP-Anwender wünschten sich Systeme aus einem Guss – ohne zusätzliche Programmierung. Das gelte im Einkauf für Ariba, das – so SAP – bis Ende des zweiten Quartals 2020 mit dem SAP-Flaggschiff S/4 HANA verheiratet werde.

SAP propagiere seit Langem seine Cloud-basierten Neuprodukte und die moderne Version seines Unternehmenspakets S/4Hana. Nicht wenige Kunden empfänden dies jedoch als Vernachlässigung der Altprodukte, denn sie werden die Business Suite auch aus Budgetgründen noch viele Jahre einsetzen. Da unsere Unternehmen verstärkt auf hybride Landschaften (On-Premise und Cloud) setzten, müssten deren Auf- und Ausbau sowie ihr Betrieb so einfach, attraktiv und flexibel wie möglich gestaltet werden. Die vielen SAP-Kunden, die im von SAP avisierten zeitlichen Umfeld des Jahres 2025 noch nicht zur Software-as-a-Service-Lösung in die Cloud wechseln wollen oder können, benötigen zudem mehr Planungssicherheit hinsichtlich der SAP-Betreuung von S/4HANA und vor allem der klassischen Business Suite. Aus heutiger Sicht ist kaum davon auszugehen, dass unsere Unternehmen schon in der überwiegenden Zahl bis 2025 ihre ECC-Systeme auslaufen lassen werden.

Einkauf digital ist also kein Spaziergang sondern ein Hürdenlauf. Stürze können nur dann vermieden werden, wenn Lösungsanbieter und Nutzer an einem Strang ziehen und sich auf das fokussieren, was den Einkaufsabteilungen messbaren Nutzen bringt.


Prof. Dr. Robert Fieten, wissenschaftlicher Berater der Beschaffung aktuell

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