Initiative der Europäischen Kommission

Öffentlichen Einkauf modernisieren

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Autobahnen sind Projekte, die vom öffentlichen Einkauf angestßen werden. Bild: Monet/Fotolia
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In der EU gibt es rund 350.000 öffentliche Auftraggeber, über die jährlich rund 14 bis 19 Prozent des EU-weiten BIPs vergeben werden, was rund 2,3 Billionen Euro jährlich entspricht. Trotz dieses enormen Auftragsvolumens wird dem öffentlichen Beschaffungswesen bisher wenig Aufmerksamkeit in der öffentlichen Debatte geschenkt. Was sind die Gründe hierfür?

Eine Frage der Wahrnehmung

Der Steuerzahler ist zwar täglich in Kontakt mit Produkten und Dienstleistungen, die öffentlich vergeben werden, ist sich dessen aber meistens nicht bewusst. Wir benützen das Autobahnnetz auf dem Weg in unsere Urlaube oder überqueren die Brücke, die zwei Landteile miteinander verbindet. Wir bringen unserer Kinder in öffentliche Schulen, deren Gebäude von der öffentlichen Hand gebaut, ausgestattet und instandgehalten werden. Wir genießen reines Wasser, dass in der Regel von öffentlichen Kläranlagen gefiltert und gereinigt wird. Wir fahren mit der Straßenbahn sicher und schnell in unsere Arbeit. Unsere Haushalte werden mit Energie aus einem – in der Regel öffentlichen – Versorgungsnetz gespeist. Unsere Sicherheitskräfte sind dank öffentlicher Beschaffer modern ausgerüstet und können ihrer eigentlichen Aufgabe nachkommen, nämlich für Sicherheit zu sorgen. All diese Serviceleistungen werden im Rahmen von Vergaben für die Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

Eine Frage der Kompetenz?

Unternehmen, die als Leistungserbringer für den Staat tätig werden, kommen in der Regel über öffentliche Ausschreibungen in Kontakt mit dem Vergabewesen. Doch der öffentliche Einkauf wird oftmals nicht als kompetenter Partner durch die Industrie wahrgenommen. Öffentliche Einkäufer werden als überbürokratisch und risikoavers wahrgenommen.

Das Dilemma des Einkaufes ist es, dass er nur wahrgenommen wird, wenn die Leistung oder das Produkt nicht stimmen, das Schulgebäude oder die Straßen zum Beispiel Mängel aufweisen. Funktioniert alles, bleibt der Einkauf „unsichtbar“. Aber ist dies nur ein Problem der Wahrnehmung oder aber auch ein Problem, wie die Funktion des öffentlichen Einkaufs ausgeübt wird, also eine Frage der Kompetenz der Stelleninhaber?

Die Rolle des Einkaufes hat sich in den letzten Jahrzehnten zunehmend geändert. In der Privatwirtschaft entwickelt sich immer mehr das Profil des strategischen Einkäufers heraus, während im öffentlichen Sektor nach wie vor eine operative Ausrichtung des Einkaufs vorherrscht. Dies führt einerseits zu einer schwachen Position dieser Funktion, auf der anderen Seite aber, zu einem ein Risiko in der staatlichen Leistungserbringung und der damit zusammenhängenden höheren Kosten für diese Leistungserbringung. Einer Studie der Autoren Bandiera, Prat und Valetti zufolge sind 83% der Preisunterschiede, die durch die öffentliche Hand für standardisierte Waren ausgegeben werden auf „passive waste“, das heißt, fehlende Fachkompetenz der Einkäufer zurück zu führen. Die immer komplexer werdenden Beschaffungsprojekte und die zunehmende Digitalisierung erhöhen zusätzlich die Anforderungen an den Einkäufer und damit das Risiko Steuergelder ineffizient auszugeben.

Rethinking Public Procurement

Die Qualität und Effizienz öffentlicher Beschaffungssysteme leisten einen Beitrag zur nationalen Wettbewerbsfähigkeit durch bessere öffentliche Finanzen, nachhaltige und smarte Investitionen und höhere Dienstleistungen, wie Infrastruktur und e-Government.

Wie effizient ist die öffentliche Hand bei der Erbringung ihrer Dienstleistungen? Die Europäische Kommission hat hier – zumindest für das öffentliche Vergabewesen – einen Handlungsbedarf geortet und daher im Rahmen ihrer Strategie für das öffentliche Beschaffungswesen eine Professionalisierungsinitiative ins Leben gerufen.

Öffentliche Einkäufer müssen in der Lage sein, nach höchsten Standards professionell zu beschaffen. Gleichzeitig kann ein effizientes öffentliches Beschaffungssystem wesentlich zu nachhaltigen öffentlichen Finanzen beitragen. Um sie dabei zu unterstützen, wurde von der Europäischen Kommission die Konzeption und Umsetzung eines EU-weiten Lehrganges ausgeschrieben. Den Zuschlag erhielten die Bundesbeschaffung GmbH (BBG), Österreichs öffentlicher Einkaufsdienstleister, sowie die Wirtschaftsuniversität Wien (WU Wien), die ein gemeinsames Lehrgangs-Konzept entwickelt haben, das Public Procurement Excellence Programme. „Die Tatsache, dass die Europäische Kommission dieses Projekt finanziert, zeigt die internationale Relevanz dieses Themas“, so Dekanin Prof. Dr. Barbara Stöttinger (WU Executive Academy).

„Es ist dies das erste EU-weite Ausbildungsprogramm seiner Art, dass sich ausschließlich an öffentliche Einkäufer zentraler Beschaffungsorganisationen richtet. Ein öffentlicher Einkäufer verantwortet – abhängig von seiner Warengruppe – in der Regel ein Beschaffungsvolumen von mehreren Millionen Euro. Bei Infrastrukturprojekten kann dies bis in den Milliardenbereich gehen. Dass dieses Steuergeld professionell, wirtschaftlich, rechtskonform und transparent vergeben wird, liegt im Interesse jedes Steuerzahlers“, betont Mag. Andreas Nemec, Geschäftsführer der Bundesbeschaffung GmbH.

Für einen Studienplatz im Lehrgang Public Procurement Excellence konnten sich Vertreter aus allen EU und COSME Dritt-Staaten bewerben. In einem mehrstufigen Bewerbungsverfahren wurden 33 hochrangige Teilnehmer aus 19 Ländern ausgewählt. Ziel der Initiative ist es, den Kompetenzaufbau, internationalen Austausch und den Aufbau eines Expertennetzwerkes zu fördern.

Nationale Experten mit jahrelanger Erfahrung aus dem Bereich zentrale öffentliche Beschaffung, Professoren der WU Wien und ein hochspezialisiertes internationales Lektoren Team garantierten eine hochkarätige Ausbildung, die sowohl theoretisch fundiert als auch praxiserprobt ist. Die Ausbildung schließt mit einem Zertifikat der WU Wien zum „Certified Public Procurement Expert“ ab.

The Next Generation of Public Procurement

„Die Professionalisierung des öffentlichen Beschaffungswesens und die kooperative, grenzüberschreitende Beschaffung sind strategische Ziele der Europäischen Kommission. Aus diesem Grund hat sich die Kommission dazu entschlossen den Lehrgang „Public Procurement Excellence“ für zentrale öffentliche Beschaffungsorganisationen zu initiieren und zu finanzieren. Wir wollen öffentlichen Einkäuferinnen und Einkäufern helfen mehr über die bessere Einbeziehung von KMUs, sowie die umweltfreundliche und innovative Beschaffung zu lernen. Von einem professionelleren öffentlichen Beschaffungswesen werden am Ende alle profitieren, unsere Unternehmen sowie die Bürgerinnen und Bürger. Ich bin von diesem Programm sehr überzeugt, es ermöglicht uns eine neue Generation von öffentlichen Einkäufern auszubilden“, so Dr. Irmfried Schwimann, European Commission, Deputy Director-General DG GROW, bei ihrer Eröffnungsrede anlässlich des Opening Events des Public Procurement Excellence Lehrganges in Wien im Herbst 2018.

Mehr zum Thema hier.

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