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Servitization: Equipment-as-a-Service als Zukunftsmodell für den Maschinenbau

Servitization in der Fertigungsindustrie
Equipment-as-a-Service als Zukunftsmodell?

14 Prozent der befragten Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau haben bereits eigene EaaS-Angebote am Markt. Bild: Murrstock/ stock.adobe.com

Im Zuge der fortschreitenden Servitization im Maschinen- und Anlagenbau setzen Entscheider der deutschen Fertigungsindustrie verstärkt auf Equipment-as-a-Service (EaaS) als Vertriebs- und Geschäftsmodell. Das zeigt eine aktuelle Studie des IIoT-Unternehmens Relayr in Kooperation mit dem Marktforschungsinstitut Forsa. Maschinenbauunternehmen, die sich bereits mit EaaS befassen, entscheiden sich deutlich für eine Umsetzung des Modells (80 %).

Im Fokus der im April 2022 durchgeführten Studie „Servitization in der Fertigungsindustrie: Equipment-as-a-Service als Zukunftsmodell?“ steht die Perspektive von Entscheidern aus Unternehmen verschiedener Branchen der produzierenden Industrie in Deutschland. Befragt wurden Unternehmen, die Maschinen und Anlagen herstellen (Anbieterseite), ebenso wie die Nutzer der Maschinen.

Die Studienergebnisse bieten Einblicke in den aktuellen Stand der Anwendung von EaaS-Modellen, die Treiber und Potenziale für die Industrie und die Unternehmen selbst sowie den aktuellen Grad der Umsetzung. Darüber hinaus wurden die Einschätzungen der Unternehmen in Hinblick auf ihre eigene Bereitschaft bzw. die vorhandenen Voraussetzungen für den Einsatz von EaaS im Unternehmen, die Herausforderungen auf dem Weg der Umsetzung und die Bedürfnisse der Entscheider bei deren Bewältigung untersucht.

Mehrheit plant baldigen Start von EaaS-Modellen

Die Ergebnisse zeigen, dass Equipment-as-a-Service in der nahen Zukunft eine entscheidende Rolle spielen wird. Zum Zeitpunkt der Befragung bieten erst 14 Prozent der Maschinenbauer ein EaaS-Modell am Markt an, doch 54 Prozent befinden sich bereits in der konkreten Planung und Entwicklung.

Grafik: Relayr

Von denjenigen, die bereits EaaS-Modelle am Markt haben, bieten 94 Prozent Services begleitend zu ihren Maschinen an. Weitere 50 Prozent sind weiter fortgeschritten und bieten bereits ausgewählte Assets oder Anlagengüter über ein EaaS-Finanzierungsmodell wie beispielsweise Pay-per-Part oder Pay-per-Use an.

11 Prozent der jetzigen Anbieter setzen sogar komplett auf den Servitization-Trend und haben bereits ihr gesamtes Geschäftsmodell vollständig auf diese Finanzierungsmodelle umgestellt. Die Entscheider, die den Einsatz von EaaS-Modellen momentan planen, geben zu jeweils zwei Dritteln an, begleitende Services für ihre Maschinen (64 %) und auch ausgewählte Assets über ein EaaS-Modell (64 %) anbieten zu wollen.

Steigende Nachfrage zu erwarten

Viel Potenzial für die kommenden Monate liegt auf der Seite der Nutzer von EaaS-Modellen. Obwohl 35 Prozent dieser Gruppe sich mit EaaS noch nicht befasst haben und aktuell 11 Prozent EaaS-Angebote umsetzen, plant immerhin ein Viertel der Befragten die zeitnahe Umstellung.

Nachholbedarf zeigt sich auch in den Antworten dieser Gruppe auf die Frage, was sie zur Überwindung von Hindernissen bei der Umsetzung aktuell am meisten benötigen: 43 Prozent wünschen sich generell mehr Know-how über EaaS-Modelle, darüber wie diese funktionieren und welche Anbieter es auf dem Markt gibt. Weitere 41 Prozent benötigen mehr Wissen zu den in EaaS inkludierten Predictive Maintenance- und Remote Service-Möglichkeiten.

Die Bedeutung von EaaS für die Industrie

Nach den drei wesentlichen Treibern für EaaS-Modelle innerhalb ihrer Industrie befragt, zeichnen die Entscheider ein sehr ausgewogenes Bild. Hinsichtlich der Bedeutung der Vorteile, die sie mit dem Einsatz von EaaS für die Branche im Allgemeinen und ihr Unternehmen im Speziellen verknüpfen, steht die mit EaaS einhergehende finanzielle Planung am häufigsten auf Platz eins (30 % der Befragten).

Grafik: Relayr

Für die Kunden der Maschinenhersteller entfällt im Rahmen von EaaS-Modellen die Aufwendung umfangreicher Investitionen und damit die langfristige Bindung von Kapital. Außerdem werden die Maximierung der Uptime von Maschinen, die möglichst effiziente Nutzung des Equipments, die Intensivierung der Kundenbeziehung, der Wechsel von CAPEX zu OPEX sowie dadurch erzielte Wettbewerbsvorteile von jeweils mehr als 20 Prozent der Befragten unter den drei wichtigsten Anreizen genannt. Als beinahe ebenso bedeutend (mit 19 % unter die drei wichtigsten Faktoren genannt) bewerten die Entscheider den Vorteil, dass dank EaaS innovative Produkte und Technologien schneller ihren Weg in die Industrie finden.

Verbesserung der Maschinen und Anlagen

Mit Blick auf das eigene Unternehmen erscheint die Möglichkeit, auf Basis generierter Nutzungsdaten die eigenen Maschinenfunktionen, -kapazitäten und -operationen anpassen und somit verbessern zu können, als wichtigster Anreiz für die Entscheider. 39 Prozent der Maschinenhersteller nennen diesen qualitativen Vorteil, der nicht nur ihnen selbst klare Wettbewerbsvorteile bietet, sondern auch den Kunden nachhaltig zugutekommt, unter den drei bedeutendsten Motiven.

Selbst die etwas seltener genannten Vorteile landen noch bei jeweils mehr als einem Viertel der Befragten auf den obersten drei Rängen: die Möglichkeiten zur Implementierung von Condition Monitoring und Predictive Maintenance, die z. B. Betriebszeitgarantien ermöglichen, und die Perspektive, die Unternehmensumsätze durch die Übernahme von After-Market-Dienstleistungen zu erhöhen (je 26 %).

Vorteile für Nutzer von EaaS-Modellen

Für die potenziellen Nutzer von EaaS-Modellen ist ebenfalls eine ganze Reihe von Vorteilen relevant. Einer der wichtigsten Anreize ist es für 24 Prozent, das Equipment mithilfe von EaaS stets auf dem neusten Stand der Technik zu halten.

Grafik: Relayr

Fast genauso wichtig sind für diese Gruppe die Möglichkeit Predictive Maintenance und Condition Monitoring sowie der Umstand, dass das operative Risiko weitgehend beim Maschinenanbieter verbleibt (je 23 %). Auch das Vermeiden größerer Kapitalinvestitionen und die Uptime-Garantien im Rahmen von EaaS sind reizvolle Faktoren (je 21 %).

Bedarf an Unterstützung bei der Umsetzung

Auf Seite der potenziellen Anbieter von EaaS-Modellen gibt beinahe die Hälfte (45 %) der Befragten an, bereits über einen angemessenen Grad der Digitalisierung der Maschinen zu verfügen. 61 Prozent von ihnen planen die Umsetzung bereits in den nächsten 12 Monaten. Auf Nutzerseite erwägen sogar 63 Prozent in den nächsten 12 Monaten auf ein EaaS-Modell umzusteigen.

Grafik: Relayr

Allerdings äußern beide Seiten Bedarf an Unterstützung in dieser Umstellung auf mehreren Ebenen. Während die Finanzierung für die potenziellen Anbieter das geringste Problem darzustellen scheint (29 %), wünschen sich 36 Prozent eine Versicherung für das geschäftliche und operative Risiko. 41 Prozent benötigen Unterstützung bei der Entwicklung von Condition Monitoring- und Predictive Maintenance-Systemen, 42 prozent bei der Generierung von Echtzeitdaten der Maschinennutzung. Jedes zweite Unternehmen wünscht sich Unterstützung dabei, die Nachfrage zu evaluieren.

Grafik: Relayr

Auch aufseiten der Maschinennutzer kündigt sich eine steigende Nachfrage nach EaaS an. Viele von ihnen haben Bedarf an mehr Know-how, 37 Prozent benötigen zudem Unterstützung bei der Anpassung ihrer IT-Infrastruktur und Datenarchitektur. Der Wert der Kenntnis von Voraussetzungen, Funktionsweise und Umsetzung von EaaS-Modellen wird in naher Zukunft merklich steigen.

Equipment-as-a-Service als Paradigmenwechsel

Jessica Poliner, CEO von relayr: „Die Ergebnisse sind in meinen Augen an vielen Stellen sehr erfreulich: Das Equipment-as-a-Service-Modell ist ein echter Paradigmenwechsel. Das EaaS-Angebot stärkt Kundenbeziehungen und ermöglicht ergebnisorientierte Verträge. So können neue Einnahmequellen und langfristige Umsatzpotenziale erschlossen werden. Wir sind froh, als Partner für die Industrie dazu beizutragen, dieses Potenzial in Zukunft zu nutzen.“ (ys)

Grafik: Relayr

Equipment-as-a-Service: Vorteile und Hemmnisse

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