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„Wenn das Puzzle komplett sein soll, muss jeder sein Stück dazu beitragen“

Rückblick: BME Sustainability Summit 2022
„Wenn das Puzzle komplett sein soll, muss jeder sein Stück dazu beitragen“

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250 Einkaufs- und Supply Chain-Manager:innen informierten sich auf dem BME Sustainability Summit über die aktuellsten Trends auf dem Nachhaltigkeitssektor. Bild: Dr. Jörg Hoepfner, BME e.V.

Vor rund 250 gespannten Teilnehmerinnen und Teilnehmern eröffnete Roland Seckler, Vice President Global Supply Chain Operations der Ypsomed AG, am 29. August den BME Sustainability Summit 2022 mit eigenen Erfahrungen: „Oft höre ich Stimmen wie ‚Wir können beim Thema Sustainability nichts bewegen – dafür sind wir viel zu klein!‘“ Er kann solchen Aussagen aber nicht zustimmen und entgegnet hier immer: „Denken Sie an ein Puzzle: Wenn bei einem Puzzle ein Teil fehlt, ist es auch nicht vollständig!“ In seinen Augen ist es beim Thema Nachhaltigkeit schon zu spät – deshalb müssen jetzt alle Menschen ihr Verhalten anpassen und zum ganzen Puzzle beitragen. „Jetzt müssen wir aufholen – vielleicht gelingt es uns noch“, machte er trotz düsterer Prognosen Mut.

Einen ähnlichen Ton schlug Circular Economy Managerin Janine Thiess von der BMW AG und Partnerin bei Pure Edge an. Sie ist überzeugt: „Der nachhaltigste und profitabelste Weg zu mehr Sustainability führt über Dich!“ Sie erläuterte, dass bereits über 85 Prozent der Teile eines BMW-Fahrzeugs wiederverwertbar sind – das Ziel liegt bei 100 Prozent. Aus ihrem Arbeitsalltag konnte sie berichten, dass sich Nachhaltigkeit rechnet und immer als Investition in die Zukunft des Unternehmens gesehen werden sollte.

Alexandra Schirmer, Subject Matter Expert Sustainability and Compliance von Integrity Next, stellte die Nachhaltigkeits- und Compliance-Dienstleistungen ihres Unternehmens vor. Die Kunden ihres Unternehmens haben bereits über eine Million Lieferanten auf die Website von Integrity Next eingeladen. Dort füllen diese im „Self-Reporting“ umfangreiche Fragebögen aus dem ESG-Themenspektrum (Environmental, Social, Governance) aus, beispielsweise zu Menschenrechten, Arbeitsrechten, Diversity, Inklusion, Datenschutz, Cyber Security oder verwendeten Mineralien. Sie erläuterte: „Über unsere Plattform kann jedes Unternehmen bereits heute die Themen des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes angehen!“

Das LkSG beschäftigte viele der anwesenden Einkaufs- und Logistikexperten. Auch CEO Klaus Wiesen von Sustainabill aus Köln konnte eine automatisierte und dadurch einfache Self-Assessment-Lösung zur Erfassung von relevanten Nachhaltigkeitsaspekten in den Lieferketten seiner Kunden vorstellen. Er ist überzeugt, dass die Transformation der Wirtschaft nicht ohne nachhaltige Lieferketten möglich sein wird und empfiehlt seinen rund 40 namhaften Kunden daher, ihre Lieferanten und ihre Lieferketten nie separat, sondern immer gemeinsam zu betrachten.

Mark Walbert, Director Global Supply Chain Management bei SEG Automotive, ist ebenfalls überzeugt, dass Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit kein Widerspruch sind. Von dem viel diskutierten „Friendshoring“, also dem Einkauf in befreundeten Ländern der EU, riet er aber ab, da diese aufgrund von Arbeitsplatzknappheit perspektivisch nicht die gesamte Produktion aus Ländern mit schwieriger politischer Lage übernehmen könnten. „Und die Rohstoffe müssen sowieso zu einem Großteil weiter aus China kommen“, warnte er. Auch von Dual Sourcing, also dem Aufbau von Zweit-Lieferanten neben dem Stamm-Lieferanten, riet er ab, da diese Vorgehensweise nicht nur umfassende Ressourcen benötigt, sondern auch der Strategie der Einkaufsbündelung zur Erlangung von Marktmacht gegenübersteht. Deutlich erfolgversprechender ist in seinen Augen eine bessere Auslastung von oftmals fast leeren Containern.

Thomas Steiner, Director Category Sourcing, Sourcing und Supply Chain bei der Hager Group, warnte: „Es reicht nicht, eine einzige Person im Einkauf zu etablieren, die für das Thema Nachhaltigkeit verantwortlich ist!“ So berichtete er, dass er den rund 100-köpfigen Einkauf seines Unternehmens auf der Basis der ethischen Unternehmensgrundsätze umstrukturiert hat, er seinen Lieferanten klare Nachhaltigkeitskriterien kommuniziert hat und er deren Nachhaltigkeit über KPIs misst. Seine Erfahrung: „Die Einkäuferinnen und Einkäufer in Unternehmen müssen das Thema Nachhaltigkeit als erstes in ihrer Bedeutung verstehen. Hier sind die Unternehmenskultur und das Leadership von Unternehmen zentral. Schließlich müssen viele Strukturen, Prozesse und auch Kollaborationsmodelle mit Lieferanten angepasst werden. Sie bekommen völlig neue Ansprechpartner und brauchen auch völlig neue Kompetenzen. Daher müssen die Einkäuferinnen und Einkäufer in Unternehmen umfassend geschult werden.“

Autor: Dr. Jörg Hoepfner, BME e.V.

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