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Lieferketten: Sinkende Seefrachtraten im vierten Quartal 2022 erwartet

Pünktlichere Lieferungen bei Konsumgütern
Sinkende Frachtraten im Herbst erwartet

Aktuell stauen sich Schiffe auf der Nordsee, die auf eine Entladung warten.
Aktuell stauen sich Schiffe auf der Nordsee, die auf eine Entladung warten. Bild: m.mphoto/stock.adobe.com

Staus vor Häfen, teure Hinterlandverkehre und Containermangel: Die deutsche Wirtschaft ächzt seit Längerem unter diesen Bedingungen. Kurzfristig ist keine Entspannung in Sicht, aber langfristig. Die Supply-Chain-Experten des Softwarehauses Setlog gehen zwar davon aus, dass die Auswirkungen der aktuellen Krise noch weit bis ins nächste Jahr reichen werden, prognostizieren aber sinkende Seefrachtraten im vierten Quartal 2022.

Die Nachwirkungen des Lockdowns in Schanghai, ausgefallene Abfahrten von Containerschiffen und der Streik in einigen deutschen Häfen machen der Wirtschaft schwer zu schaffen: Allein in der deutschen Bucht warten laut dem Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) Containerschiffe mit einer Kapazität von rund 150.000 Standardcontainern auf das Anlaufen in Bremerhaven und Hamburg. Vor den Häfen in Rotterdam und Antwerpen ist die Situation noch dramatischer.

Infrastruktur für Alternativen fehlt

„Die Folgen sind nicht nur Verspätungen, sondern auch ein Containermangel. Ein Ausweichen zu kleineren Häfen ist problematisch, weil dort Platz und eine starke Infrastruktur für die Transporte ins Hinterland fehlen. Wenn die Schiene keine Alternative ist, bleiben teure Direkttransporte mit Lkw die einzige Option“, berichtet Setlog-Vorstandsmitglied Ralf Düster. Die Logistikdienstleister hierzulande stünden zudem vor dem Problem, aufgrund des Personalmangels ihre Kapazitäten nicht hochfahren zu können. Kurzfristig geht Düster nicht von einer Besserung der Seefrachtraten aus – aber langfristig ab dem vierten Quartal dieses Jahres, wenn auch die Reedereien mitspielen.

Warnung vor Überlastung des Straßengüterverkehrs

Gleicher Meinung ist auch Patrick Merkel, Geschäftsführer von Prologue Solutions: „Die Inflation, die Zinswende und die hohe Preise in verschiedenen Sektoren sprechen dafür, dass die Raten sinken werden.“ Aufgrund der geopolitischen Lage und den Folgen der Coronapandemie erwarten Logistikdienstleiter im kommenden Halbjahr tendenziell weniger Geschäft. Verladende Unternehmen profitieren zudem von Reedereien, die mehr Kapazitäten aufgebaut haben.

Großer Teil der Waren verspätet sich

Aufgrund dieser angespannten Lage dauerte laut einer Setlog-Analyse im Juni die Laufzeit der Seefracht von Fernost zu den Westhäfen im Schnitt 42,5 Tage. Zum Vergleich: 2021 waren es 41,6 Tage, 2020 rund 35. Vor der Pandemie betrug die Laufzeit 31 Tage (2019). In den vergangenen zwei Jahren kamen Setlog zufolge bis zu 30 Prozent der Waren aufgrund von Lockdowns, Produktionsverzögerungen und langen Transportzeiten zu spät.

Die Einkäufer der Importeure von schnelldrehenden Konsumgütern schafften es aber, den Anteil der zu spät eintreffenden Ware bis auf drei bis fünf Prozent im Vergleich zur Zeit vor Corona zu drücken, indem sie die Bestellungen im Schnitt eine Woche vorzogen.

Keine Verlagerung der Produktion

Während manche Branchen für sensible Waren und Komponenten über duale Produktionen und auch Re- und Nearshoring nachdenken, nahmen laut der Analyse die Anbieter von schnelldrehenden Konsumgütern Produktionsverlagerungen nach Europa oder nach Deutschland nicht vor.

Nur ein bis zwei Prozent ihres Gesamtvolumens von Bekleidung lassen die Unternehmen in Osteuropa oder Nordafrika produzieren – daran hat sich seit Pandemiebeginn nichts geändert. Auch der Anteil der Produktion in der Türkei liegt konstant bei etwa 11,5 Prozent, der von China bei 11,0 Prozent. Mehr Geschäft konnten jedoch die Lieferanten in Bangladesch und Vietnam an Land ziehen. Der Anteil Bangladeschs stieg während der Pandemie von 28,0 auf 32,0 Prozent, der von Vietnam von 4,5 auf 7,3 Prozent. (ys)

Engpässe und hohe Preise bremsen den Aufschwung

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